
traceless eröffnet Produktionsanlage in Hamburg-Harburg
Endlich im industriellen Maßstab: Das Hamburger Bioökonomie-Scale-up traceless materials GmbH hat in Hamburg-Harburg seine erste industrielle Produktionsanlage eröffnet und erreicht damit einen wichtigen Skalierungsschritt. In der neuen Anlage werden pflanzliche Reststoffe zu einem naturbasierten Kunststoffersatz verarbeitet, der erdölbasierte Kunststoffe in ausgewählten Anwendungen ersetzen soll. Die Produktionskapazität liegt bei rund 3.000 Tonnen pro Jahr, erste Industriekunden wie Mondi, OTTO und Biesterfeld sind bereits angebunden. In die Produktionsanlage wurden über 20 Millionen Euro investiert, was zu einem Viertel durch Bundesmittel gefördert wurde.
Das Hamburger Bioökonomie-Scale-up traceless materials GmbH hat in Hamburg-Harburg seine erste industrielle Produktionsanlage offiziell eingeweiht. Nach früheren Pilot- und Entwicklungsstufen markiert der Schritt den Übergang in die großtechnische Produktion eines naturbasierten Kunststoffersatzes auf Basis pflanzlicher Reststoffe aus der Agrarindustrie.
Ziel des Unternehmens ist es, konventionelle Kunststoffe in ausgewählten Anwendungen zu ersetzen, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu verringern und eine zirkuläre Bioökonomie in Europa voranzubringen.
Industrielle Skalierung einer neuen Materialklasse
In der neuen Anlage werden pflanzliche Reststoffe mithilfe eines patentierten Verfahrens zu thermoplastisch verarbeitbaren Naturpolymeren aufbereitet. Laut Unternehmen bleibt die natürliche chemische Struktur der eingesetzten Naturpolymere erhalten, während Granulate entstehen, die biobasiert, heimkompostierbar und nach Definition kein Plastik sind.
Die Materialien lassen sich mit gängigen industriellen Verfahren weiterverarbeiten und sind für Anwendungen gedacht, in denen Recycling schwierig ist oder Produkte häufig in die Umwelt gelangen – etwa bei Einwegartikeln, Verpackungen, Papierbeschichtungen oder Klebstoffen.
Der Produktionsprozess basiert vollständig auf nachwachsenden Rohstoffen, soll ressourceneffizient sein und lokale Lieferketten ermöglichen. Nach Unternehmensangaben lassen sich im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen in Herstellung und Entsorgung rund 91 Prozent CO₂-Emissionen einsparen.

Bei der Eröffnung Dr. Anne Lamp (Mitte), links daneben Senatorin Fegebank, Bundesumweltminister Schneider (rechts)
Bundesumweltministerium fördert Bau
Bei der Eröffnung betonte Bundesumweltminister Carsten Schneider die Bedeutung der Technologie: „Solche Ideen brauchen wir für erfolgreichen Klima- und Umweltschutz: Ein innovatives Biomaterial, das ohne Erdöl auskommt, aus pflanzlichen Reststoffen besteht und vollständig biologisch abbaubar ist, löst gleich mehrere Probleme. So kann konventionelles Plastik ersetzt und CO2-Emissionen und Wasser eingespart werden. Diese Technologie hilft gegen Plastikvermüllung, schützt die Tierwelt und macht uns unabhängiger von fossilen Energieimporten aus dem Ausland. Die Industrieanlage ist eine von vielen Erfolgsgeschichten made in Germany, die mit Umwelttechnologien für Innovation und neue Wirtschaftskraft sorgen.“
Auch Hamburgs Umwelt- und Energiesenatorin Katharina Fegebank hob die Bedeutung für den Standort hervor: „Aus Spitzenforschung und Kreislaufwirtschaft im Labor wird echte industrielle Produktion – das ist ein riesiger Erfolg für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Hamburg. Plastikmüll ist eine der größten Belastungen für unsere Umwelt. Traceless packt dieses Problem an der Wurzel: Wenn wir fossiles Erdöl durch pflanzliche Reststoffe ersetzen, vermeiden wir nicht nur riesige Müllberge, sondern sparen auch massiv klimaschädliches CO2 ein. Hier wird heute ganz praktisch bewiesen, dass unsere klimaneutrale Transformation und industrielle Wertschöpfung keine Gegensätze sind, sondern unsere Stadt Hand in Hand nach vorne bringen.“
Kapazität und erste Kunden
Der neue Hauptsitz umfasst rund 4.000 Quadratmeter und vereint Produktion, Entwicklung, Vertrieb sowie Logistik und Verwaltung. Die Jahreskapazität liegt bei rund 3.000 Tonnen Material. Zu den ersten industriellen Abnehmern zählen unter anderem der Verpackungshersteller Mondi, der Versandhändler OTTO sowie der Distributionspartner Biesterfeld.
Die Produktionsanlagen wurden vom rund 110-köpfigen traceless-Team selbst entwickelt. Bereits bestehende Pilotanlagen sollen künftig an den neuen Standort verlagert werden. Die Inbetriebnahme erfolgt schrittweise, während die Produktion in den kommenden Monaten hochgefahren wird. Die Investitionen in den Standort belaufen sich auf mehr als 20 Mio. Euro. Gefördert wurde das Projekt mit rund 5,1 Mio. Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundes. Weitere Kapazitätserweiterungen und der Bau einer zusätzlichen Industrieanlage sind bereits in Planung.
Mit der Inbetriebnahme sieht sich traceless als einen Schritt näher an der industriellen Etablierung einer neuen Klasse naturbasierter Werkstoffe im globalen Maßstab. Das Unternehmen wurde 2020 aus der TU Hamburg ausgegründet, 2022 wurde die erste Pilotanlage aufgebaut, nun folgt die erste industrielle Produktionsanlage in Hamburg-Harburg. Neben vielen weiteren Auszeichnungen wurde das Team um Gründerin Dr.-Ing. Anne Lamp für den Deutschen Zukunftspreis 2025 nominiert. Die chemische Umwandlung der biologischen Ressourcen schafft ein Material ähnlich dem altbekannten Cellophan, das jedoch auch als Granulat und damit für Spritzguß-Anwendungen optimiert wurde.

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